Kein Zweifel, die närrischen Gäste des Tennengerichts der KG Paohlbürger sind am Sonntagabend mit einem wilden Ohrwurmmix aus „Layla“, „Griechischer Wein“ und „Warum hast du nicht Nein gesagt“ ins Bett gegangen und morgens damit auch wieder aufgestanden.
Allen voran Michael „Schürze“ Müller musste dem gestrengen Narrentribunal Rede und Antwort gestehen, gestand kleinlaut, der Text zu dem umstrittenen Sommerhit Layla sei ihm an der roten Ampel eingefallen – „rotes Licht gleich Puff“, meinte Schürze verschmitzt. Zugleich kündigte er seinen nächsten Knaller an – im Februar kommt ein neuer Song, Thema: Irgendwas mit Schwiegersöhnen und -töchtern.
Am Ende wurde er von Richter Bernd Tepe, der in seinem Urteil gleich noch ein Geheimnis verriet, natürlich verknackt: „Wenn Ikke Hüftgold nächstes Jahr nicht vor Gericht gestellt wird, musst du wiederkommen.“ Eigentlich braucht sie gar keinen Verteidiger:
Lisa Feller räumte richtig ab und haute dabei gleich noch ihre Mitangeklagten in die Pfanne: „Ich dachte, ich kann nicht singen, und dann habe ich Sascha von Zabern gehört.“ Gut gelaunt erklärte sie dann, was die Füllung von Berlinern und Hundebabys mit der Aufklärung Minderjähriger zu tun hat. Logische Folge: Richter Tepe verdonnerte sie zur Fahrradtour mit den Paohlbürgern. Im restlos ausverkauften Saal des Paohlbürgerhofes kochte die Stimmung auch beim 51. Tennengericht komplett über.
Die Angeklagten überboten sich in munterem Wortwitz – NRW-Schulministerin Dorothee Feller etwa griff direkt den Staatsanwalt, Harry Wijnvoord an und schilderte ihre Beweggründe für den Gang nach Düsseldorf – da könne sie sich besser für Münster einsetzen. Selbst der Einsatz des Kabarettisten Andreas Breiing als Zeuge mit seinem „Münsterlandlied“ nutzte nichts, der Urteilsspruch war dementsprechend: Gemeinsamer Besuch mit Paohlbürgern und Gericht in einer münsterschen Grundschule.
Ekki Kurz, seit über 30 Jahren als Musiker in Münsters Gassen und dem Münsterland unterwegs, versuchte eine Verteidigung per Musik, packte alle Mittel von Rock ´n´ Roll bis kölscher Schlager aus und erklärte im Brustton der Überzeugung: „Ich kann auch schöne Musik singen“ – Freispruch. „Anwalt, hau es raus für mich“, forderte lautstark Sascha von Zabern, Chef des Atlantic-Hotels, in Richtung Verteidiger Hermann Beckfeld.
Anschließend überzeugte von Zabern das jecke Volk, warum er Hoteldirektor und nicht Sänger geworden ist. Das hatte was von rostiger Fahrradkette. „Aber bitte mit Gnade“, stimmte Markus Sparfeldt schließlich in Anlehnung an Udo Jürgens an. Gemeinsam mit seiner Frau Stefani rockte er den Saal mit den Evergreens von Jürgens und Roland Kaiser der deutschen Unterhaltungskunst.
Das Gericht zeigte sich zwar angetan, kannte aber keine Gnade: Sparfeldt wurde ohne Bewährung dazu verurteilt, beim nächsten Sommerfest der Paohlbürger aufzutreten. Wolfram Linke
Wir stehen in den Startlöchern fürs Tennengericht und die Senatorentaufe: Ehrensenatspräsident Maik Pöpping, Verteidiger Michael Schaedel, Vizepräsident Klaus Burnus, Staatsanwalt Mortimer Behrendt (hinten, v.l.), Sabine List an, Geschäftsführerin und Finanzvorstand, Präsident Peter Golla und Schriftführerin Sigrid Bonnekessel (vorn, v.l.). Foto: Wolfram Linke
Ja, so könnte man auch auf die Anklageschrift des Tennengerichts reagieren - vor allem, wenn man, so wie hier Lisa Feller, diverser Vergehen verdächtigt wird... Am Sonntag, 29. Januar steht sie gemeinsam mit anderen prominenten Delinquenten ab 13.11 Uhr vor den Schranken des Gerichts im Paohlbürgerhof - Einlass ist ab 11.11 Uhr.
„Jetzt reicht´s, wir haben Nägel mit Köpfen gemacht“, ist Harry Wijnvoord, Staatsanwalt des närrischen Tennengerichts der Karnevalsgesellschaft (KG) Paohlbürger in Münster, fest entschlossen, den Autor des Sommerhits „Layla“, Michael „Schürze“ Müller, vor Gericht zu stellen. Allerdings nicht (nur) weil das Lied angeblich sexistisch sei: „Da wird erstens nicht gegendert und zweitens auch noch den Rollenklischees gefrönt. Warum ist nicht mal Layla die Bordellbesitzerin und der Mann der Puffpapa?“, fragt Wijnvoord vorwurfsvoll die Interpreten, DJ Robin (Leutner) und „Schürze“. Die Anklageschrift ist in Arbeit, am Sonntag, 29. Januar, steht „Schürze“ ab 13.11 Uhr (Einlass ab 11.11 Uhr) vor den Schranken des Gerichts.
Und wie beim traditionsreichen Tennengericht üblich, sitzt er da nicht allein. Teilen muss er sich die Anklagebank mit der Schauspielerin und Komikerin Lisa Feller, die des hemmungslosen Verbreitens guter Laune verdächtigt wird. Konspirativ soll sie dabei mit ihrer Mitangeklagten und vermutlichen Schwester, Dorothee Feller, jetzt NRW-Schulministerin und früher Regierungspräsidentin, zusammengearbeitet haben. Vorwurf: Das dynamische Duo hat aus dem altehrwürdigen Präsidentenhort einen Ort ausschweifendster Altweiberfeste gemacht.
Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt Markus Sparfeldt, der verdächtigt wird, Sänger wie Udo Jürgens und Roland Kaiser imitiert zu haben – und zwar so gut, dass er nicht vom Original unterscheidbar sei. „Wir werden beweisen, dass er sogar besser ist“, zeigt sich Verteidiger Hermann Beckfeld zuversichtlich. Schwer wird´s auch für den Angeklagten Sascha von Zabern, Direktor des Atlantic Hotels: Mit seinem hauseigenen „Engelsaal“ versuche er ständig, münstersche Mitbürger zum Feiern zu verführen und sie dadurch von anständiger Arbeit abzuhalten.
Mit einer erdrückenden Beweislast sieht sich schließlich auch Ekki Kurz, Frontmann der Kult-Coverbands „Starlight Family“ und „Middle Excess“, konfrontiert. „Ekki kann nur Rock ´n´ Roll“, ist der Staatsanwalt überzeugt. „Das werden wir ebenfalls genau unter die Lupe nehmen“, kündigt Richter Bernd Tepe (Ehrenpräsident des Vechtaer Carnevals Clubs) an und freut sich schon „auf die peinlichen Befragungen“. Karten gibt´s ab sofort im Vorverkauf für 85 Euro (Essen und Getränke inklusive) unter [email protected] oder per Smartphone: 0170 277 29 66.
0151 65233078
Karnevalsgesellschaft Paohlbürger Münster e.V.
Heumannsweg 127
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